Welche Farben kaufen?

“Man kann mit allem malen, was pappt!”

Franz von Lenbach, Maler, 1836 – 1904

Warum ich keine Acrylfarben empfehle

Klar, der gute Mann hat recht. Hauptsache, die Farbe hält. Manchmal pappt es aber zu stark. Zu schnell. Und vor allem an den falschen Stellen. Zum Beispiel auf der neuen Hose, dem Glitzershirt des Sitznachbarn, oder den frisch erworbenen Sneakern. Ihr kennt das wahrscheinlich. 

Malkittel verwenden? Unbedingt, aber …

Malkittel sind immer eine gute Idee, wenn man mit Wasserfarben & Co. arbeitet. Nur aus meiner Erfahrung sind den Kindern die Kittel irgendwann lästig. Wenn das Ende der Stunde naht, will man nur noch raus aus dem Ding. Leider arbeiten andere Kids aber noch und – zack! ist das Unglück passiert, und der ganze Aufwand war umsonst.
Neben dem Spruch “Ich bin fertig!” ist “Darf ich den Kittel ausziehen?” mein zweiter Dauerbrenner in Kunstworkshops … Deswegen in diesem Artikel ein paar Tipps und Hinweise zu Farben. Farben, die vor allem für die Kunst mit Kids geeignet sind.

Ein Wasserfarbkasten mit integriertem Deckweiß – vermeidet Rumgespritze.

Der gute alte Wasserfarbkasten

Die meisten Kinder haben einen eigenen Wasserfarbkasten – wie man diesen ohne Drama im Unterricht einsetzen kann, erkläre ich nochmal in einem anderen Artikel. Manchmal möchte man aber mit anderen Farben experimentieren, großflächiger arbeiten, vielleicht einmal eine kleine Druck- oder Abklatschtechnik probieren, oder einfach Farben haben, die deckender sind als die aus dem Standard-Farbkasten. Oft geht dann der Griff zu Acrylfarben oder Wandfarben. Mein Tipp: Tut es nicht!

Acryl- oder Wandfarben – leider keine gute Idee

Acryl- oder Wandfarben sind natürlich super praktisch, farbstark und leicht zu verarbeiten. Oft hat man noch Restbestände zuhause von der letzten Streichaktion herumliegen. Aber: Flecken oder Kleckse aus Acrylfarbe lassen sich extrem schwer aus Kleidung entfernen. Denn die sind ja dafür gedacht, dass sie nach Trocknung dauerhaft auf dem Untergrund verbleiben. Das Meisterwerk “Mein Sonnenuntergang 95b” soll sich ja genauso wenig auflösen wie die in modischem Mintgrün gestrichene Küchenwand. Das Bindemittel von Acrylfarben, also das was “pappt”, ist deshalb (vereinfacht gesagt) ein Kunststoffgemisch, sprich Plastik. Das trocknet bockelhart auf und an dem lässt sich nix mehr verändern. Zum Glück gibt es eine tolle Alternative, und zwar die Gouache- oder Temperafarben. 

Tuben und Flaschen Gouache-Farbe
Gouache-Farben, hier allerdings die teureren Künstlerfarben.

Gouache-was???

Gouache- oder Temperafarben kennt Ihr eigentlich schon ohne es zu wissen, denn die Deckfarbkästen der Kinder enthalten genau das. Farben, die man immer wieder anlösen und deshalb auch sehr gut auswaschen kann. In den Farbkästen haben sie eine feste Form, aber es gibt sie auch in handlichen Tuben und Flaschen, genau wie die Acrylfarben. Vom Preis her liegen sie ähnlich, Ihr müsst also keine Angst haben, das Budget überzustrapazieren. Eine Literflasche einfacher Qualität kostet zwischen 5 und 8€. Wenn man sich auf die Grundfarben Cyan, Magenta, Gelb + Schwarz + Weiß beschränkt, landet man also bei 25 – 40€ und kommt damit locker durch 2 (Schul)-Jahre. Ihr solltet darauf achten, dass es wirklich Gouache-bzw. Temperafarben sind, dass also irgendwo in der Beschreibung wasserlöslich steht. Denn inzwischen gibt es auch lustige Mischformen wie Gouache-Acrylfarbe und das ist für unsere Zwecke natürlich sinnlos. Einige Links zu Anbietern findet Ihr am Ende des Beitrags.

Pro-Tipp: Weg mit der Deckweiß-Tube!

Wer kennt es nicht – zum ersten Mal wird der Farbkasten erwartungsfroh geöffnet und nur ganz kurz mal aufs weiße Tübchen gedrückt – die Katastrophe nimmt ihren Lauf …
Ich empfehle deshalb bei Schulworkshops für das Arbeiten mit dem Farbkasten immer, die darin enthaltenen Deckweißtuben gleich zu Beginn des Schuljahres einzusammeln und wegzulegen. Eltern können das genauso machen. Kauft stattdessen eine Flasche Gouache-Deckweiß, aus der Ihr nach Bedarf direkt in die Paletten verteilen könnt. Das spart eine Menge Stress.

Tubenhorror vermeiden und die Kontrolle behalten – so einfach kann es sein.

Und was ist nun dieses Gouache-Dingens?

Das Bindemittel (das was pappt) bei der Gouache-Farbe ist “Gummi Arabicum” – sein Alleinstellungsmerkmal: es ist wasserlöslich. Allerdings vermute ich, dass die Hersteller bei den günstigen Schulqualitäten hier inzwischen einen Ersatzstoff mit ähnlichen Eigenschaften verwenden. Ja, Farben sind eine spannende Sache, es handelt sich eben immer um eine Kombination aus einem Bindemittel und Pigmentpulver. Je mehr und je edler das Pigment, desto teurer die Farbe. Vor der Erfindung der synthetischen Farben war Ultramarinblau eines der teuersten Pigmente, denn es wurde aus dem gemahlenen Halbedelstein Lapislazuli gewonnen. Ähnlich verhielt es sich mit dem Purpurfarbstoff aus der Purpurschnecke.

Urzeit Tier mit Eitempera
Steinzeitmalerei mit Erdfarben macht großen Spaß und bringt Erkenntnisgewinn.

Lust auf eine besondere Kunststunde mit Aha-Effekt?

Man kann übrigens Farben sehr einfach selbst anfertigen – ich würde das ab einem Alter von 8-9 Jahren empfehlen. Dazu braucht Ihr etwas Pigment, z. B. Ockerpigmente, die sind sehr günstig zu kaufen, und außerdem ein Hühnerei. Das Ei aufschlagen, mit einer Tasse Wasser in ein kleines Marmeladenglas geben, gut mixen. Am besten jedes Kind mal reihum schütteln lassen. Anschließend kann man etwas von dem Eiwasser mit Pigment auf einer Palette oder in einem Marmeladenglasdeckel vermischen (am besten einen festen Borstenpinsel nehmen) und damit malen.

Lernen mit Kunst

Dieses Malexperiment ist eine wunderbare Möglichkeit, eine Brücke zum Sachunterricht zu schlagen. Man kann zum Beispiel vorher ausprobieren, ob “nur” Wasser und Pigment auch funktioniert und gemeinsam überlegen, warum das mit dem Ei denn besser klappt. Heutzutage wird leider weniger selbst gekocht und gebacken, sonst hätte das ein oder andere Kind vielleicht schon einmal erfahren, dass so ein frischer Ei-Rest auf dem Tisch mit der Zeit klebrig wird und irgendwann zu einer festen Haut auftrocknet. Das Ganze nennt die Profikunstfrau Eitempera. Diese Technik wird heute nur noch wenig verwendet – so ein Ei hält sich halt nicht sehr lange und fängt schnell an zu müffeln. Aber die Eitempera war die Haupttechnik der Malerei, bevor man die Ölmalerei “erfunden” hat, also etwa bis zur Renaissance. Das ist allerdings wieder eine andere Geschichte. 
Viel Erfolg! 

Hier findet Ihr die Farben im Künstlerbedarf: