Du hast keine Ahnung von Kunst? Macht nix!

“Kunst. Keiner weiß, was es ist, aber jeder kann was dazu sagen.

Maria Best

Ich kenne mich mit Kunst nicht aus!

Die gute Nachricht: Braucht Ihr auch nicht – beim “Kunstmachen” mit Kindern geht es nicht um Kunst und deswegen muss man auch keine Ahnung von Kunst haben. Ich spreche ohnehin lieber von “Basteln”. Basteln klingt harmlos und unkompliziert, weil es selten um perfekte Ergebnisse geht, sondern eben ums Basteln selbst. Und genauso soll es ein. Im Idealfall schafft man es, Basteln als neue Gewohnheit zu etablieren, genau wie Trinkpausen oder Morgenlieder in der Schule, oder Spülmaschine ausräumen zuhause. Über Kunst kann man später noch nachdenken. Wie bei allen Gewohnheiten braucht das natürlich etwas Zeit und Energie, bis es eben zur Gewohnheit wird.

Zufallskunst
Ist es Kunst oder wird es erst welche?

Ich kann nicht zeichnen!

Hm – das klingt jetzt etwas nach einer faulen Ausrede. Wer schreiben kann, also Buchstaben und Zahlen an die Tafel oder auf ein Blatt Papier bringen, ist definitiv qualifiziert! Und das kannst Du doch bestimmt, oder? Wir sprechen hier von Kids zwischen 5 und 11, die das alles ja gerade selber lernen – und da reichen die Basisfähigkeiten völlig. Niemand muss ein Rembrandt sein, um mit Kindern kreativ zu arbeiten. Deine Kinder können besser zeichnen als Du? Herzlichen Glückwunsch! Geht es nicht ohnehin darum, dass unsere Nachkommen irgendwie “mehr” können? Also freu’ Dich drüber. Vielleicht zeigen sie Dir ja ein paar Tricks und Tipps. 😉

Skizze für späteres Tryptichon
Grobe Entwurfszeichnungen sind oft voll Power

Zeichnen ist wie Suchen

Was mir bei der Arbeit mit den Kindern oft auffällt, ist dass viele leider sehr, sehr verkrampft dabei sind (und übrigens, genau wie die Erwachsenen, sofort loskrähen “ich kann nicht zeichnen!” …). Ist z. B. die Aufgabe, einen Kreis zu zeichnen, wird der arme Bleistift mit aller vorhandenen Kraft aufs Papier gedrückt und dann gaaaanz langsam eine irgendwie geartete Form produziert. Offensichtlich versuchen die Ärmsten von Anfang an, einen perfekten Kreis zu produzieren. Das kann leider nur schiefgehen!
Wenn Ihr Euch etwas von Künstlern abschauen wollt, dann empfehle ich mehr das suchende Zeichnen zu probieren, die schrittweise Formgebung. Dazu eignen sich Schwungübungen aller Art. Versucht doch mal, mit den Kindern mit zarten Strichen zu beginnen, die kaum sichtbar sind, und dann langsam einen Kreis entstehen zu lassen, indem man immer wieder eine große runde Form “abfährt”. Die Kreise werden schöner und die Hände und Handgelenke bleiben entspannt!
Hilfreich kann der Hinweis sein, mit Abstand zu arbeiten, und den ganzen Kreis immer im Blick zu haben – meist klebt nämlich die Nase viel zu nah am Blatt.

Kreise zeichnen Beispiel
Kreisen, kreisen, kreisen – und immer locker bleiben!

Sollen das nicht besser die Profis mit den Kids machen?

Meine 5 Cent dazu: Es ist für Eltern oder Lehrer natürlich nicht verkehrt, professionelle Künstler*innen zu engagieren. Inspirationen von außen können viel in Bewegung bringen. Aber wie es mit Profis so ist – manche haben einen ziemlichen Tunnelblick auf ihr heißgeliebtes Thema und sind zwar tolle Experten, aber pädagogisch weniger geeignet. Und zwar paradoxerweise, weil sie Experten sind! Profis arbeiten in einer Profiwelt und haben eben manchmal Schwierigkeiten, sich in die Bedürfnisse und Probleme von Anfängern hinein zu versetzen. Oder auch mal in den Ansprüchen einen Level drunter zu bleiben und Unperfektes zu akzeptieren. Das betrifft alle Fächer, sogar den Schulsport, wie man >> in diesem Artikel lesen kann. Wenn Ihr als Nicht-Bastler und Nicht-Künstler das kreative Gestalten mit Kids beginnt, könnt Ihr euch doch viel leichter in die Position der Kinder einfühlen. Die Basics dazu gibt es in diesem Blog … 🙂

Profi bei der Arbeit
Profi mit Nachwuchs-Profis

Und wie mache ich Basteln zur Gewohnheit?

Naja, wie immer: Durch Tun. Machen, machen, machen. Klein anfangen, mit einfachen Materialien starten. Legt Euch eine Bastelkiste an. Vermeidet vorgefertigte Schablonen und komplizierte (und teure) Bastelsets. Beginnt mit den simplen Aufgaben – Falten, Schneiden, Kleben. Als Beuys den Spruch rausgehauen hat “Jeder ist ein Künstler” (ups, das ist nun mal ungegendert, aber ist halt auch eine Weile her) meinte er damit einfach, dass alle Menschen einen Zugriff auf die Kunst haben können. Ob sie es tun, ist eine andere Sache. Also keine Angst vor Kunst – denn Kunst macht schlau!

Tipps und Links:

  • Für Neulinge empfehle ich mich mal selbst, und zwar mit der KUNSTKREISEL-Playlist (Teil 1) aus meinem YouTube-Kanal – dort findet Ihr einige ganz einfache alltagstaugliche Beispiele.